Montag, 22. August 2011

EINS


    Nun das Begreifen, alle anderen als eine Instanz aufzufassen. Sie als Ausdruck desselben Prinzips zu begreifen. So auch mit ihnen umzugehen, von ihnen zu hören, mit ihnen zu sprechen. Dies hätte psychologisch vor allem einen Effekt: Es einigte mein inneres Selbst, vereinigte alle Rollen auf eine einzige.

Montag, 8. August 2011

Afrika


    Wir schreiben das Jahr 2011. Afrika hungert. Und ich weiss nicht: Soll ich darüber lachen oder soll ich darüber weinen?

    Wenn ich mich auf das besinne, was gleich ist zwischen uns. Wenn mir bewusst wird, dass ich ihnen helfen könnte. Dann wirkt es wie ein Akt grösster Anmaßung und Unrechts, mit meinem Reichtum über ihnen zu stehen. Nicht als Schuld, mehr zu haben, sondern es nicht mit ihnen zu teilen. Ich wähne eine Instanz, die mich nach meinen Empfindungen und meinem Handeln diesen Menschen gegenüber bemisst. Jemand, der sieht, wie ich damit umgehe. Im psychologischen Sinne meine Vorstellung von Gott oder die letzte Instanz meiner Seele. Und die hält mir eine Art Spiegel vor, dessen Anblick mir bei jeder gegensätzlichen Erwägung schmerzt. Was ein Mangel an Empathie über meinen Charakter offenbarte und wie mich die Vorstellung erschreckt, kann ich nicht leugnen. Und ich glaube an das Gute. Nicht das gelernte und nur folgsame, sondern das inhärente. Und das gebietet Mitleid und eine gewisse Art des Handelns, nach dem in diesem Momenten alles in mir strebt.

    Am anderen Ende des Spektrums in diesem ständigen Wechsel sich widersprechender Empfindungen steht etwas distanziertes, etwas kaltes. Es betont die Gegensätze. Die Verachtung für ein Volk, das sich verhungern lässt. Das ihre Lethargie als lebensverachtend empfindet. Was müsste passieren, dass ich mich so apathisch verhungern liesse und warum ist das nicht der Fall? Was also soll ich mit ihnen gemein haben?
Die Bilder der ausgemergelten Kinder, bei denen das Kindchenschema nicht mehr greift, rufen Abscheu hervor. Lehrt die Wissenschaft dies nicht als den Weg des Lebens selbst? Die Aufgehenden und die Untergehenden? Soll ich mich mit einem Problem, gar einer Schuld belasten, die nicht die meinen sind? Was bringen Spenden, wenn damit nur Abhängigkeit erzeugt wird? Ist diese Unselbständigkeit nicht erniedrigend für den Afrikaner? Verschlimmert es langfristig das Problem nicht nur? Mehr noch, warum sollte etwas unterstützt werden, was von selbst nicht die grundlegendste Erhaltung des Lebens beherrscht?

    Oder steht der Wert des Lebens über allen langfristigen Erwägungen dieser Art? Könnte ich diese Menschen verhungern lassen, wenn ich ihnen dabei zusehen müsste? Könnte ich dann auf sie herabblicken oder würde ich auf die Knie sinken? Reicht die Gleichheit im Menschsein oder heben mich die Unterschiede über die Hungernden? Schadet man dem Afrikaner, weil man ihn nicht allein diesen steinigen Weg gehen lässt? Muss sich meine Gesinnung als Verbündeter der Stärke nicht gegen ihn richten? Oder gebietet gerade die Vorstellung von einer höheren Zivilisation das Ausstrecken der Hände?

    Und bei dieser Ambivalenz bleibt alles stehen, sie lässt sich nicht auflösen. Es sind emotionale und rationale Eindrücke, die sich nebeneinander gesellen und mir abwechselnd ins Ohr flüstern. Ich suche die Einstellung und daraus diejenige Handlung, die die richtige ist. Doch ich muss erkennen, dass diese so nicht zu finden ist.