Montag, 31. Dezember 2012

Winterland, ein Märchen von Euphorie

    Hier oben stehen wir, in dieser Zukunft. Hoch über der Stadt, die Gestern und Morgen heisst, in der blassen blauen Kälte und das Stürmen erfasst Dein langes Haar. Du schaust mich nur immerzu an, mit diesem Lächeln, mit diesem Blick! Schön bist Du, so schön. Wir stehen auf den ragenden Balken aus Granit und ich reiche Dir meine Hand. Hoch über dem weiten Land und ich sehe nur Dich. Weit liegt der Horizont und alles ist gut.
Es fällt! Und es fürchtet mich und nun bin ich frei! Nun sage ich Dir: Ich liebe Dich! Und Du schaust und lächelst noch immer und rufst: Ich liebe Dich! Und darin an mein Herz alle Liebe und Hoffnung und ewiger Trost.

(Februar 2012)

Dienstag, 7. August 2012

GESCHLOSSENE HAND, FAUSTÄHNLICH GEBALLT - DER NUNMEHR DRITTE TEIL (IN DREI AKTEN)

ERSTER AKT

AUFGEWACHT!

Der Doktor auf einer hellen Lichtung, Äolsharfen in der Ferne.

DER DOKTOR.
Die Natur verblüfft mich einmal mehr,
Der Frühling platzt hervor und sehr
Erfreuen mich Gesang und Tanz.
So blinzle ich denn sehr gebannt,
Der Dinge die ich vor mir sehe;
Und meine Augen, Knochen, wehe!
Sie schmerzen noch vom letzten Mal,
Nun aufzustehen, eine Qual!

Der Abenteuer gar zu viele,
Der Reime, Lieder und auch Spiele
Erinner' ich mich wie durch Nebel.
Nun knarzen alte, morsche Hebel
Und setzen widerwillig in Bewegung,
Entgegen jeder heil'gen Strebung,
Was lange rostete und starr,
Bewegt sich wieder wunderbar!

DER KASPER (platzt herein, Gelächter im Hintergrund).
O mein Gott, was ist hier los?!
Sah ich nicht den finalen Stoss?
Nun steh ich wieder auf den Beinen,
Das endlos Treiben macht mich weinen!

DER DOKTOR.
Ach Du bist's! Na dann sei gegrüßt!
Ich hoffe, Du hast aus-gebüßt!
Scheinst mir ein wenig aus-geleihert,
Wie Du hier durch die Gegend eierst;
Doch einem sei Dir stets bewußt,
Auch wenn ich Dich erinnern muss,
Zwar schenk ich Dir die Einzelheit:
Doch so zahlt man Unsterblichkeit!

DER KASPER.
Ihr sprecht konfus, seid Ihr im Wahn?
Der Abgrund, der sich aufgetan,
Ich fiel so tief, ich schlug nie auf,
Gar wähnt' ich mich bei mir zu Haus,
Statt dessen fängt's von Neuem an,
So leid es tut: Es fehlt Elan...

DER DOKTOR.
Auch mir ist etwas mulmig gar,
Die Hände steif, das Hirn nicht klar,
Stotter-ere so vor mich hin,
Der Hälfte fehlt der volle Sinn,
Doch eines muss ich eingestehn:
Gar himmlich ist dies Wiedersehn!

DER KASPER.
Nun, das mag sein. Doch ich muss fragen:
Der Pakt aus guten, alten Tagen,
Ist er noch gültig oder hin?
Da ich mir nicht mehr sicher bin.

DER DOKTOR.
So wie ich mich erinnern kann,
Bist Du zum Schluss dahingefahr'n,
Ob Hölle oder Teufel wo,
Ich selber zu den Engeln floh.

Gebannt, gespannt, wie es sich wendet,
Die Szene plötzlich ausgeblendet!
Noch immer dröhnen mir die Ohren,
Vom Abgesang der Engels-Choren.

DER KASPER.
Ja, die Moral von der Geschichte,
Als ob es niemals jemand wüsste:
Es hört nicht auf, geht immer weiter,
Gleich einer endlos langen Leiter,
Die ewig gar sich aufwärts streckt,
Und unten in der Hölle steckt.
Dort komm ich her, da geh ich hin,
Im Kreislauf nun da steckt der Sinn.
Lasst einmal mehr uns aufwärts fliegen!
Auf dass sich nun die Sprossen biegen!

DER DOKTOR.
So soll es sein! Ja, abgemacht!
Ich reiche Dir die Hand zum Schlag!
Als unsres Gleichen woll'n wir klettern!
Und unter uns die Welt erzittern!

DER KASPER.
Zwar ist mir unwohl hier zumute,
Solch Gleichheit liegt mir nicht im Blute!
Doch wähn ich mich als einverstanden,
Reich Euch die Hand und knüpf die Banden,
Die uns nun binden, wand, gewunden,
Ausgesprochen, Sinn verschwunden.
Da mach ich Euch ein Rätsel draus,
Das heisst Ihr macht es, ich bin raus,
Solang es reimt scheint es bewusst,
Wer's nicht errät, erfasst Verdruss!

ZWEITER AKT

DAS ABENTEUER GEHT WEITER

Der Doktor und der Kasper in einem Einkaufszentrum, Äolsharfen von der Decke.

DER DOKTOR.
Ich schau mich um, doch weiss nicht weiter,
Der lange Weg der langen Leiter,
Wo führten uns die Stufen hin?
Was ich hier sehe, fehlt der Sinn!

Die Lichter, Spiegel, Weiß Gemäuer,
Es duftet gar mir ungeheuer,
Der Töne fürchterlicher Klang,
Auch bei den Menschen wird mir bang!

Ein klirrend Fuhrwerk viel zu schnelle,
Der rutschig Boden, Eiseshölle,
Was starren grelle Teufelsfratzen,
Samt gierig Blicken, garstig Tatzen,
Von langen Reihen auf mich nieder?!

DER KASPER.
Nehmt Euch zusammen, wehrter Freund,
Hier ist nichts wie's zu seien scheint.
Ihr wähnt Euch in der Unterwelt,
Doch hier ist, was dem Mensch gefällt!
Gar bunte Waren, süsse Düfte,
Versuchung säuselt durch die Lüfte,
Nun greifet zu und seid nicht schüchtern,
Schon glänzen feuchte Augen lüstern.

DER DOKTOR.
Ein Zwang befällt mich wie von Wahn,
Will nur noch greifen, raffen, scharrn!
Und auch das Letzte muss ich nehmen,
Es ist nun mein und nicht mehr denen!

DER KASPER.
Und nun? Jetzt steht Ihr hilflos rum,
Gar reich beladen, beugt Euch krumm,
Gleich droht Ihr aus dem Schuh zu kippen,
Es hilft kein Flehen und kein Wippen,
Passt auf, dass Ihr auch nichts verliert,
Ups! Und da ist es passiert!

DER DOKTOR.
Was wollt ich mit dem ganzen Kram,
Welch böser Geist in mich gefahr'n?
Wie konnt ich mich erneut so blenden,
Wird dieser Irrsinn niemals enden?

DER KASPER.
Dies diente der Erinnerung,
Schöpft daraus neuen, frischen Schwung,
Der Euch zu höherem geleitet,
Und geistig Horizonte weitet.
Zu hoch seid ihr für dieses Kleine,
Befreit Euch dieser kurzen Leine!

DER DOKTOR.
Nun denn, was ist als nächstes dran?
- Und bei der Frage wird mir bang -
Denn ahnen kann ich's schon von Weitem,
Es stakst heran auf langen Beinen,
Es schüttelt glänzend volles Haar,
Spitzt rote Lippen, wunderbar!
Die Weiber sind's, samt ihren Reizen,
Mit denen wahrlich sie nie geizen.
Doch Vorsicht sei hier stets geboten,
Sie singen manche falschen Noten,
Der schöne Schein nur eine Falle,
Kennt man die eine, kennt man sie alle.

DER KASPER.
So ist's, so muss es immer sein,
Drum schenk ich ein Euch reinen Wein:
Vermählt sein müsst Ihr einmal mehr,
Hier nun die Auswahl, bitte sehr!

(Verschiedene Frauen treten auf.)

DER KASPER.
Schaut sie Euch alle gründlich an,
So ist das Urteil gut getan!

DER DOKTOR.
Gross ist die Auswahl, gar nicht klein,
Die eine dick, die andre fein,
Ich sehe freche, strenge, milde,
Doch was bedeutet schon das Bilde?
Sie müssen tanzen, sich bewegen,
Sie müssen sprechen, müssen reden,
Sie müssen lachen und auch weinen,
Sie sind doch nie so wie sie scheinen!

DER KASPER.
Recht habt Ihr und so sei's getan,
Gleich fängt das grosse Schauspiel an;
Seht wie sie kreisen, tanzen, springen,
Um Eure Gunst sich lebhaft ringen;
Nun nehmt Euch, was ihr haben wollt,
Ergreift das Glück, es ist Euch hold!

DER DOKTOR.
Welch schöner Anblick lässt mich schaudern,
Wie alle mich zugleich verzaubern!
Wie sollt ich wählen, mich entscheiden,
Für eine nur, das macht mich leiden!
So will ich, was wohl viele wollen:
Sie alle mir gehören sollen!

DER KASPER.
Ihr macht so weiter wie zuvor,
lernt Ihr nichts draus, Ihr armer Tor?
Greift Ihr nach allem, bleibt Euch nichts,
Nun stellt die alten Ohren spitz:
Die Qual der Wahl mag bitter sein,
Doch ohne sie bleibt Ihr allein!
So seid nicht gierig, spart Euch die Schmerzen,
Vertrauensvoll gehorcht dem Herzen!

DER DOKTOR.
Recht hast Du und ich seh sie schon,
Allein steht sie auf weiter Flur.
Sie scheint so anders, scheint so ernst,
Und lächelt doch, durchfährt mich ganz.
Ihr Anblick macht mich gar so still,
Ich weiss, dass ich sie haben will!

DER KASPER.
Reicht ihr die Hand, zieht sie heran,
Auf immer nun in Euren Bann.
Doch Ewigkeit, weiss ich genau,
Nicht Wirklichkeit, sondern nur Schau.
Auch dies nun wiederholt sich nur,
Kern und Charakter der Natur.

DER DOKTOR UND DIE AUSERWÄHLTE (Zusammen).
Was lange suchet, findet nun,
Auf dass wir uns zusammen tun,
Auch muss nicht immer alles ganz genau passend sein,
Mit etwas Zeit und mehr Geduld wächst man hinein,
O bin ich froh um diesen Schritt,
Macht er so manches Leiden wett;
Nun muss ich sprechen, nicht nur denken:
Herz und Verstand will ich Euch schenken!
Ich will!
Ich will!

DER KASPER.
- So sei es!
Genug nun der Bierernstigkeit!
Bin doch für jeden Spaß bereit,
Den soll'n wir haben, dafür sorg ich,
Die nächste Tür, die öffnet so sich!

DRITTER AKT

DAS GROSSE PHILOSOPHISCHE FINALE.

Der Doktor schwebend unter schwarzem Himmel, Äolsharfen aus allen Richtungen.

DER DOKTOR.
Die liebe Frau, zu Haus verstaut,
Das gegenseitig' Herz vertraut,
Doch brauche ich, so ist's die Pflicht,
Auch Zeit für mich und sie für sich!

So sehr ich Zweisamkeit geniesse,
Ich geistig auch alleine spriesse;
Und ja, zum denken kam ich her,
Geniesse das Alleinsein sehr.

Der Sternehimmel heute klar,
Das ferne Funkeln göttlich gar;
Es spannt die Sinne, lässt mich zittern,
Unendlichkeit die Seele wittern;
Wie magisch zieh'n mich diese Lichter,
Die Augenbrauen zieh'n sich dichter,
So starr' ich doch und seh nicht mehr,
Als halb verschwommen Lichtermeer.
Was ist da draussen? Muss es wissen!
Muss es sehen, bin so beflissen!
Doch wie gelang ich in die Höhe?
Erfasst' mich doch gewaltig Böe!
Und einem Sternenreiter gleich,
gelangt' ich in das Himmelsreich!

DER KASPER (erscheint aus dem Nichts).
Ich weiss, ich versprach Euch die Treue,
Doch ist dies ein Schritt, den ich scheue,
Mich erfasst die Verlegenheit,
Denn dieser Sprung ist mir zu weit!
Mein Reich, das muss hier unten bleiben,
Die flachen Höhen, kurzen Weiten,
Von Erdenkern bis Himmelswolken,
Ich ahne nur, was denen folgen.
Doch will ich Euch nicht unten halten,
So spreizt die Flügel, lasst mich walten,
Den Anstoss, den mag ich Euch geben,
Werd mich zurück zur Erd' bewegen.
Ich winke Euch, nun macht es gut!
Bewundere solch kühnen Mut!

(Der Doktor in die höhere Atmosphäre entschwebend)

DER KASPER (winkend).
Ach, wie ist uns die Zeit verronnen,
Am Ende wieder angekommen;
War es doch grade noch so schön,
So müssen wir schon wieder gehn!

Und bleibt uns nur der Fragen diese,
Wie man das Abenteuer schliesse;
Ich schlage vor, in aller Kürze,
Denn darin liegt nun mal die Würze.

Doch eines noch, das will ich wetten:
Wir werden uns bald wiedertreffen!

FINIS.

(Juni 2010)

Donnerstag, 31. Mai 2012

The Royal Tenenbaums


    Nach etwa 26 Minuten. Die Szene, in der Luke Wilson an der Bushaltestelle
wartet, der Bus ankommt und Gwyneth Paltrow in Zeitlupe aussteigt. Ihr Haar
fliegt im Wind. Hinter Luke Wilson laeuft eine Reihe von weissgekleideten Matrosen
vorbei. Die Blicke der beiden. Die Musik, schraeg, aber emotional aufrichtig.
Der Symbolgehalt der Szene wirft mich um. So viel Glueck, so viel Leid.

"As always she was late."

Dienstag, 10. April 2012

Der Weltraum

http://djer.roe.ac.uk/vsa/vvv/iipmooviewer-2.0-beta/vvvgps5.html

    Die Genialität dieses Bildes, dieser Vorstellung unendlicher Welten, unendlichen Lebens. Wie sich in diesem Moment die Prioritäten neu ordnen. Hinaufschauend zu den Sternen legt sich eine Stille auf alles irdische und mich befällt eine tiefe, tiefe Traurigkeit.
Über die Sterne herrschen will ich!