ERSTER
AKT
AUFGEWACHT!
Der
Doktor auf einer hellen Lichtung, Äolsharfen in der Ferne.
DER
DOKTOR.
Die
Natur verblüfft mich einmal mehr,
Der
Frühling platzt hervor und sehr
Erfreuen
mich Gesang und Tanz.
So
blinzle ich denn sehr gebannt,
Der
Dinge die ich vor mir sehe;
Und
meine Augen, Knochen, wehe!
Sie
schmerzen noch vom letzten Mal,
Nun
aufzustehen, eine Qual!
Der
Abenteuer gar zu viele,
Der
Reime, Lieder und auch Spiele
Erinner'
ich mich wie durch Nebel.
Nun
knarzen alte, morsche Hebel
Und
setzen widerwillig in Bewegung,
Entgegen
jeder heil'gen Strebung,
Was
lange rostete und starr,
Bewegt
sich wieder wunderbar!
DER
KASPER (platzt herein, Gelächter im Hintergrund).
O
mein Gott, was ist hier los?!
Sah
ich nicht den finalen Stoss?
Nun
steh ich wieder auf den Beinen,
Das
endlos Treiben macht mich weinen!
DER
DOKTOR.
Ach
Du bist's! Na dann sei gegrüßt!
Ich
hoffe, Du hast aus-gebüßt!
Scheinst
mir ein wenig aus-geleihert,
Wie
Du hier durch die Gegend eierst;
Doch
einem sei Dir stets bewußt,
Auch
wenn ich Dich erinnern muss,
Zwar
schenk ich Dir die Einzelheit:
Doch
so zahlt man Unsterblichkeit!
DER
KASPER.
Ihr
sprecht konfus, seid Ihr im Wahn?
Der
Abgrund, der sich aufgetan,
Ich
fiel so tief, ich schlug nie auf,
Gar
wähnt' ich mich bei mir zu Haus,
Statt
dessen fängt's von Neuem an,
So
leid es tut: Es fehlt Elan...
DER
DOKTOR.
Auch
mir ist etwas mulmig gar,
Die
Hände steif, das Hirn nicht klar,
Stotter-ere
so vor mich hin,
Der
Hälfte fehlt der volle Sinn,
Doch
eines muss ich eingestehn:
Gar
himmlich ist dies Wiedersehn!
DER
KASPER.
Nun,
das mag sein. Doch ich muss fragen:
Der
Pakt aus guten, alten Tagen,
Ist
er noch gültig oder hin?
Da
ich mir nicht mehr sicher bin.
DER
DOKTOR.
So
wie ich mich erinnern kann,
Bist
Du zum Schluss dahingefahr'n,
Ob
Hölle oder Teufel wo,
Ich
selber zu den Engeln floh.
Gebannt,
gespannt, wie es sich wendet,
Die
Szene plötzlich ausgeblendet!
Noch
immer dröhnen mir die Ohren,
Vom
Abgesang der Engels-Choren.
DER
KASPER.
Ja,
die Moral von der Geschichte,
Als
ob es niemals jemand wüsste:
Es
hört nicht auf, geht immer weiter,
Gleich
einer endlos langen Leiter,
Die
ewig gar sich aufwärts streckt,
Und
unten in der Hölle steckt.
Dort
komm ich her, da geh ich hin,
Im
Kreislauf nun da steckt der Sinn.
Lasst
einmal mehr uns aufwärts fliegen!
Auf
dass sich nun die Sprossen biegen!
DER
DOKTOR.
So
soll es sein! Ja, abgemacht!
Ich
reiche Dir die Hand zum Schlag!
Als unsres Gleichen woll'n wir
klettern!
Und
unter uns die Welt erzittern!
DER
KASPER.
Zwar
ist mir unwohl hier zumute,
Solch
Gleichheit liegt mir nicht im Blute!
Doch
wähn ich mich als einverstanden,
Reich
Euch die Hand und knüpf die Banden,
Die
uns nun binden, wand, gewunden,
Ausgesprochen,
Sinn verschwunden.
Da
mach ich Euch ein Rätsel draus,
Das
heisst Ihr macht es, ich bin raus,
Solang
es reimt scheint es bewusst,
Wer's
nicht errät, erfasst Verdruss!
ZWEITER
AKT
DAS
ABENTEUER GEHT WEITER
Der
Doktor und der Kasper in einem Einkaufszentrum, Äolsharfen von der
Decke.
DER
DOKTOR.
Ich
schau mich um, doch weiss nicht weiter,
Der
lange Weg der langen Leiter,
Wo
führten uns die Stufen hin?
Was
ich hier sehe, fehlt der Sinn!
Die
Lichter, Spiegel, Weiß Gemäuer,
Es
duftet gar mir ungeheuer,
Der
Töne fürchterlicher Klang,
Auch
bei den Menschen wird mir bang!
Ein
klirrend Fuhrwerk viel zu schnelle,
Der
rutschig Boden, Eiseshölle,
Was
starren grelle Teufelsfratzen,
Samt
gierig Blicken, garstig Tatzen,
Von
langen Reihen auf mich nieder?!
DER
KASPER.
Nehmt
Euch zusammen, wehrter Freund,
Hier
ist nichts wie's zu seien scheint.
Ihr
wähnt Euch in der Unterwelt,
Doch
hier ist, was dem Mensch gefällt!
Gar
bunte Waren, süsse Düfte,
Versuchung
säuselt durch die Lüfte,
Nun
greifet zu und seid nicht schüchtern,
Schon
glänzen feuchte Augen lüstern.
DER
DOKTOR.
Ein
Zwang befällt mich wie von Wahn,
Will
nur noch greifen, raffen, scharrn!
Und
auch das Letzte muss ich nehmen,
Es
ist nun mein und nicht mehr denen!
DER
KASPER.
Und
nun? Jetzt steht Ihr hilflos rum,
Gar
reich beladen, beugt Euch krumm,
Gleich
droht Ihr aus dem Schuh zu kippen,
Es
hilft kein Flehen und kein Wippen,
Passt
auf, dass Ihr auch nichts verliert,
Ups!
Und da ist es passiert!
DER
DOKTOR.
Was
wollt ich mit dem ganzen Kram,
Welch
böser Geist in mich gefahr'n?
Wie
konnt ich mich erneut so blenden,
Wird
dieser Irrsinn niemals enden?
DER
KASPER.
Dies
diente der Erinnerung,
Schöpft
daraus neuen, frischen Schwung,
Der
Euch zu höherem geleitet,
Und
geistig Horizonte weitet.
Zu
hoch seid ihr für dieses Kleine,
Befreit
Euch dieser kurzen Leine!
DER
DOKTOR.
Nun
denn, was ist als nächstes dran?
-
Und bei der Frage wird mir bang -
Denn
ahnen kann ich's schon von Weitem,
Es
stakst heran auf langen Beinen,
Es
schüttelt glänzend volles Haar,
Spitzt
rote Lippen, wunderbar!
Die
Weiber sind's, samt ihren Reizen,
Mit
denen wahrlich sie nie geizen.
Doch
Vorsicht sei hier stets geboten,
Sie
singen manche falschen Noten,
Der
schöne Schein nur eine Falle,
Kennt
man die eine, kennt man sie alle.
DER
KASPER.
So
ist's, so muss es immer sein,
Drum
schenk ich ein Euch reinen Wein:
Vermählt
sein müsst Ihr einmal mehr,
Hier
nun die Auswahl, bitte sehr!
(Verschiedene
Frauen treten auf.)
DER
KASPER.
Schaut
sie Euch alle gründlich an,
So
ist das Urteil gut getan!
DER
DOKTOR.
Gross
ist die Auswahl, gar nicht klein,
Die
eine dick, die andre fein,
Ich
sehe freche, strenge, milde,
Doch
was bedeutet schon das Bilde?
Sie
müssen tanzen, sich bewegen,
Sie
müssen sprechen, müssen reden,
Sie
müssen lachen und auch weinen,
Sie
sind doch nie so wie sie scheinen!
DER
KASPER.
Recht
habt Ihr und so sei's getan,
Gleich
fängt das grosse Schauspiel an;
Seht
wie sie kreisen, tanzen, springen,
Um
Eure Gunst sich lebhaft ringen;
Nun
nehmt Euch, was ihr haben wollt,
Ergreift
das Glück, es ist Euch hold!
DER
DOKTOR.
Welch
schöner Anblick lässt mich schaudern,
Wie
alle mich zugleich verzaubern!
Wie
sollt ich wählen, mich entscheiden,
Für
eine nur, das macht mich leiden!
So
will ich, was wohl viele wollen:
Sie
alle mir gehören sollen!
DER
KASPER.
Ihr
macht so weiter wie zuvor,
lernt
Ihr nichts draus, Ihr armer Tor?
Greift
Ihr nach allem, bleibt Euch nichts,
Nun
stellt die alten Ohren spitz:
Die
Qual der Wahl mag bitter sein,
Doch
ohne sie bleibt Ihr allein!
So
seid nicht gierig, spart Euch die Schmerzen,
Vertrauensvoll
gehorcht dem Herzen!
DER
DOKTOR.
Recht
hast Du und ich seh sie schon,
Allein
steht sie auf weiter Flur.
Sie
scheint so anders, scheint so ernst,
Und
lächelt doch, durchfährt mich ganz.
Ihr
Anblick macht mich gar so still,
Ich
weiss, dass ich sie haben will!
DER
KASPER.
Reicht
ihr die Hand, zieht sie heran,
Auf
immer nun in Euren Bann.
Doch
Ewigkeit, weiss ich genau,
Nicht
Wirklichkeit, sondern nur Schau.
Auch
dies nun wiederholt sich nur,
Kern
und Charakter der Natur.
DER
DOKTOR UND DIE AUSERWÄHLTE (Zusammen).
Was
lange suchet, findet nun,
Auf
dass wir uns zusammen tun,
Auch
muss nicht immer alles ganz genau passend sein,
Mit
etwas Zeit und mehr Geduld wächst man hinein,
O
bin ich froh um diesen Schritt,
Macht
er so manches Leiden wett;
Nun
muss ich sprechen, nicht nur denken:
Herz
und Verstand will ich Euch schenken!
Ich
will!
Ich
will!
DER
KASPER.
-
So sei es!
Genug
nun der Bierernstigkeit!
Bin
doch für jeden Spaß bereit,
Den
soll'n wir haben, dafür sorg ich,
Die
nächste Tür, die öffnet so sich!
DRITTER
AKT
DAS
GROSSE PHILOSOPHISCHE FINALE.
Der
Doktor schwebend unter schwarzem Himmel, Äolsharfen aus allen
Richtungen.
DER
DOKTOR.
Die
liebe Frau, zu Haus verstaut,
Das
gegenseitig' Herz vertraut,
Doch
brauche ich, so ist's die Pflicht,
Auch
Zeit für mich und sie für sich!
So
sehr ich Zweisamkeit geniesse,
Ich
geistig auch alleine spriesse;
Und
ja, zum denken kam ich her,
Geniesse
das Alleinsein sehr.
Der
Sternehimmel heute klar,
Das
ferne Funkeln göttlich gar;
Es
spannt die Sinne, lässt mich zittern,
Unendlichkeit
die Seele wittern;
Wie
magisch zieh'n mich diese Lichter,
Die
Augenbrauen zieh'n sich dichter,
So
starr' ich doch und seh nicht mehr,
Als
halb verschwommen Lichtermeer.
Was
ist da draussen? Muss es wissen!
Muss
es sehen, bin so beflissen!
Doch
wie gelang ich in die Höhe?
Erfasst'
mich doch gewaltig Böe!
Und
einem Sternenreiter gleich,
gelangt'
ich in das Himmelsreich!
DER
KASPER (erscheint aus dem Nichts).
Ich
weiss, ich versprach Euch die Treue,
Doch
ist dies ein Schritt, den ich scheue,
Mich
erfasst die Verlegenheit,
Denn
dieser Sprung ist mir zu weit!
Mein
Reich, das muss hier unten bleiben,
Die
flachen Höhen, kurzen Weiten,
Von
Erdenkern bis Himmelswolken,
Ich
ahne nur, was denen folgen.
Doch
will ich Euch nicht unten halten,
So
spreizt die Flügel, lasst mich walten,
Den
Anstoss, den mag ich Euch geben,
Werd
mich zurück zur Erd' bewegen.
Ich
winke Euch, nun macht es gut!
Bewundere
solch kühnen Mut!
(Der
Doktor in die höhere Atmosphäre entschwebend)
DER
KASPER (winkend).
Ach,
wie ist uns die Zeit verronnen,
Am
Ende wieder angekommen;
War
es doch grade noch so schön,
So
müssen wir schon wieder gehn!
Und
bleibt uns nur der Fragen diese,
Wie
man das Abenteuer schliesse;
Ich
schlage vor, in aller Kürze,
Denn
darin liegt nun mal die Würze.
Doch
eines noch, das will ich wetten:
Wir
werden uns bald wiedertreffen!
FINIS.
(Juni 2010)