Sonntag, 27. August 2023
Dangerous
Komme im Herbst aus dem Krankenhaus. Gehe spazieren, am Ostufer von Kiel, eine alte, wilhelminische Schule in der Ferne, ein paar Baeume und ein Teich im Abseits. Dort mache ich Halt und schaue auf die gruenen Blaetter. Ploetzlich kommt ein Paar mit Kinderwagen - und hinter ihnen laeuft ein grosser, schwarzer Rottweiler. Die Familie laeuft weiter, der Hund hinterher, er sieht mich. Und in der einsetzenden Erkenntnis fluestere ich in den Wind: "Ey, komm' mal her!"
Der Hund nimmt mich wahr - und kommt tatsaechlich langsam auf mich zu. Ich naehere mich ihm und als er ganz nah ist, beruehre ich ihn ganz vorsichtig und streichle ihn. Ich komme auf die Idee, einen Stock zu nehmen und zu werfen. Und er rennt hinterher und bringt ihn wieder. Das machen wir ein paar Mal. Ausversehen werfe ich den Stock falsch und zu hoch und treffe den vorauseilenden Hund. Er kommt einfach mit dem Stock wieder. Einmal halte ich den Stock fest und er beisst rein. Und dann kaempfen wir um den Stock. Und das Tier hat eine unglaubliche Kraft, ich muss alle Energie aufbringen, den Stock nicht zu verlieren.
Er wartet immer und immer wieder darauf, dass der Stock geworfen wird. Einmal provoziere ich ihn, indem ich ihn mit dem Stock leicht auf die Vorderpfoten klopfe, er reagiert darauf nicht. Ich wollte eigentlich im Waldgebiet weiter hinten spazieren gehen. Nach einer ganzen Weile meine ich zu ihm, dass das schoen war, ich aber weitergehen muesse. Gehe. Der Hund folgt mir. Laeuft die ganze Zeit neben mir, weicht nicht von meiner Seite und ich fuehle mich schon peinlich beruehrt. Meine, ich muesse weiter und er muesse jetzt gehen. Egal wohin ich gehe, er folgt, schwitzend. Ich gehe also spazieren mit dem schwarzen Hund an meiner Seite.
Will nach Hause, zur Bushaltestelle. Der leinenlose Hund folgt. Er geht einfach nicht. Der Bus kommt, der Hund setzt sich. Jugendliche meinen: "Der ist ja schoen, aber wem gehoert der?!"
Mir nicht. Ich steige ein, der Hund bleibt sitzen.
Und als es davonfaehrt hatte ich fast Traenen in den Augen.
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