“Ihr seid halt immer noch die Affen, die den Tod vergessen.”
Mittwoch, 2. November 2011
Samstag, 3. September 2011
Spiegelbild
Bei genauerer Betrachtung, schon bei recht oberflaechlicher sogar, entpuppt sich der lustige Hofnarr eher als etwas, wie ich in keinster Weise sein will. Sein Anblick ist mittlerweile abschreckend, reiht er sich doch in die Riege der mueden, im Kreis tanzenden Selbstgerechten ein.
Das Argument gegen diese reaktionaere Sicht der Dinge ist ja die Vorstellung, dass es gerade der nimmerendende Ueberfluss ist, ueber den sich die Staerke definiert. Das Geben, Geben, Geben, entspricht eher dem Konzept des Lebens und seiner Bedingung selbst. Das Aufgeben, der Rueckzug, das alles sind Zeichen der Schwaeche. Und sie werden hier als Fahne des Triumphes gefuehrt, was meine Abscheu hervorruft.
Das Argument gegen diese reaktionaere Sicht der Dinge ist ja die Vorstellung, dass es gerade der nimmerendende Ueberfluss ist, ueber den sich die Staerke definiert. Das Geben, Geben, Geben, entspricht eher dem Konzept des Lebens und seiner Bedingung selbst. Das Aufgeben, der Rueckzug, das alles sind Zeichen der Schwaeche. Und sie werden hier als Fahne des Triumphes gefuehrt, was meine Abscheu hervorruft.
Montag, 22. August 2011
EINS
Nun das Begreifen, alle anderen als eine Instanz aufzufassen. Sie als Ausdruck desselben Prinzips zu begreifen. So auch mit ihnen umzugehen, von ihnen zu hören, mit ihnen zu sprechen. Dies hätte psychologisch vor allem einen Effekt: Es einigte mein inneres Selbst, vereinigte alle Rollen auf eine einzige.
Mittwoch, 10. August 2011
Montag, 8. August 2011
Afrika
Wir schreiben das Jahr 2011. Afrika hungert. Und ich weiss nicht: Soll ich darüber lachen oder soll ich darüber weinen?
Wenn ich mich auf das besinne, was gleich ist zwischen uns. Wenn mir bewusst wird, dass ich ihnen helfen könnte. Dann wirkt es wie ein Akt grösster Anmaßung und Unrechts, mit meinem Reichtum über ihnen zu stehen. Nicht als Schuld, mehr zu haben, sondern es nicht mit ihnen zu teilen. Ich wähne eine Instanz, die mich nach meinen Empfindungen und meinem Handeln diesen Menschen gegenüber bemisst. Jemand, der sieht, wie ich damit umgehe. Im psychologischen Sinne meine Vorstellung von Gott oder die letzte Instanz meiner Seele. Und die hält mir eine Art Spiegel vor, dessen Anblick mir bei jeder gegensätzlichen Erwägung schmerzt. Was ein Mangel an Empathie über meinen Charakter offenbarte und wie mich die Vorstellung erschreckt, kann ich nicht leugnen. Und ich glaube an das Gute. Nicht das gelernte und nur folgsame, sondern das inhärente. Und das gebietet Mitleid und eine gewisse Art des Handelns, nach dem in diesem Momenten alles in mir strebt.
Am anderen Ende des Spektrums in diesem ständigen Wechsel sich widersprechender Empfindungen steht etwas distanziertes, etwas kaltes. Es betont die Gegensätze. Die Verachtung für ein Volk, das sich verhungern lässt. Das ihre Lethargie als lebensverachtend empfindet. Was müsste passieren, dass ich mich so apathisch verhungern liesse und warum ist das nicht der Fall? Was also soll ich mit ihnen gemein haben?
Die Bilder der ausgemergelten Kinder, bei denen das Kindchenschema nicht mehr greift, rufen Abscheu hervor. Lehrt die Wissenschaft dies nicht als den Weg des Lebens selbst? Die Aufgehenden und die Untergehenden? Soll ich mich mit einem Problem, gar einer Schuld belasten, die nicht die meinen sind? Was bringen Spenden, wenn damit nur Abhängigkeit erzeugt wird? Ist diese Unselbständigkeit nicht erniedrigend für den Afrikaner? Verschlimmert es langfristig das Problem nicht nur? Mehr noch, warum sollte etwas unterstützt werden, was von selbst nicht die grundlegendste Erhaltung des Lebens beherrscht?
Oder steht der Wert des Lebens über allen langfristigen Erwägungen dieser Art? Könnte ich diese Menschen verhungern lassen, wenn ich ihnen dabei zusehen müsste? Könnte ich dann auf sie herabblicken oder würde ich auf die Knie sinken? Reicht die Gleichheit im Menschsein oder heben mich die Unterschiede über die Hungernden? Schadet man dem Afrikaner, weil man ihn nicht allein diesen steinigen Weg gehen lässt? Muss sich meine Gesinnung als Verbündeter der Stärke nicht gegen ihn richten? Oder gebietet gerade die Vorstellung von einer höheren Zivilisation das Ausstrecken der Hände?
Und bei dieser Ambivalenz bleibt alles stehen, sie lässt sich nicht auflösen. Es sind emotionale und rationale Eindrücke, die sich nebeneinander gesellen und mir abwechselnd ins Ohr flüstern. Ich suche die Einstellung und daraus diejenige Handlung, die die richtige ist. Doch ich muss erkennen, dass diese so nicht zu finden ist.
Samstag, 30. Juli 2011
"Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft"
Das Unabomber-Manifest, weil es im Buch des Norwegers zitiert wurde. Der Aufbau der Argumentation auf den ersten Seiten ist gut nachvollziehbar. Die Gewissenhaftigkeit und Intelligenz des Mannes liest sich angenehm. Die psychologischen Thesen klingen plausibel.
Es dauert eine Weile bis sich darstellt, um was es ihm geht. Anders als erwartet bricht die Beweisführung nicht zugunsten einer radikalen Absurditaet zusammen, sondern es stellt sich einfach eine andere Sicht der Dinge dar. Kaczynski will zurueck zu einem einfacheren Leben, ohne Technologie. Er will den Menschen als das erhalten, zu dem er vor der Industrialisierung wurde. Lebenswert sind fuer ihn die Belohnungsmechanismen eines einfacheren Lebens, in dem man sich selbst um das Ueberleben kuemmern muss. Die Gewalt ist fuer ihn das einzige Mittel, den vorausgesehenen und angestrebten Zusammenbruch des Systems zu beschleunigen.
An dieser Stelle entfernt sich mein Interesse vom Text und richtet sich auf die Frage, was dazu fuehrt, dass jemand diese Ueberwaeltigung durch seine Umwelt empfindet. Eine solche Feindschaft empfindet, die ihn in die Isolation treibt. Dass dieser Mann, der sich in die Natur fluechtete, jetzt fuer den Rest seines Lebens in einer Gefaengniszelle eingesperrt bleibt, macht mich traurig.
Es dauert eine Weile bis sich darstellt, um was es ihm geht. Anders als erwartet bricht die Beweisführung nicht zugunsten einer radikalen Absurditaet zusammen, sondern es stellt sich einfach eine andere Sicht der Dinge dar. Kaczynski will zurueck zu einem einfacheren Leben, ohne Technologie. Er will den Menschen als das erhalten, zu dem er vor der Industrialisierung wurde. Lebenswert sind fuer ihn die Belohnungsmechanismen eines einfacheren Lebens, in dem man sich selbst um das Ueberleben kuemmern muss. Die Gewalt ist fuer ihn das einzige Mittel, den vorausgesehenen und angestrebten Zusammenbruch des Systems zu beschleunigen.
An dieser Stelle entfernt sich mein Interesse vom Text und richtet sich auf die Frage, was dazu fuehrt, dass jemand diese Ueberwaeltigung durch seine Umwelt empfindet. Eine solche Feindschaft empfindet, die ihn in die Isolation treibt. Dass dieser Mann, der sich in die Natur fluechtete, jetzt fuer den Rest seines Lebens in einer Gefaengniszelle eingesperrt bleibt, macht mich traurig.
Freitag, 29. Juli 2011
Die Gerechten
Wenn es die Gerechten da draussen gibt, so melden sie sich bei mir, daß ich einer der Ihren werde.
Dienstag, 26. Juli 2011
Norwegen
Was denkt meine Seele darüber? Soll sich mein Herz in Anteilnahme ergießen? Vor wem? Oder sich verschliessen und der Verstand sagen: Das ist weit weg! Das sollte mein Leben nicht traurig machen!
Mir graut bei der Vorstellung, in was für einer Gesellschaft so etwas passieren kann. Das sagt mehr über Norwegen aus, als ihnen lieb ist.
Die Verhandlung muss öffentlich, sogar im Fernsehen übertragen werden, damit eben auch eine öffentliche Auseinandersetzung in grösstmöglichem Detail stattfinden kann. Die Nicht-Kommunikation und der bereits jetzt angedrohte Ausschluss der Öffentlichkeit trägt so nur wieder zu einer neuen Ursache bei. Wir schweigen tot, was gesagt werden sollte.
Mir graut bei der Vorstellung, in was für einer Gesellschaft so etwas passieren kann. Das sagt mehr über Norwegen aus, als ihnen lieb ist.
Die Verhandlung muss öffentlich, sogar im Fernsehen übertragen werden, damit eben auch eine öffentliche Auseinandersetzung in grösstmöglichem Detail stattfinden kann. Die Nicht-Kommunikation und der bereits jetzt angedrohte Ausschluss der Öffentlichkeit trägt so nur wieder zu einer neuen Ursache bei. Wir schweigen tot, was gesagt werden sollte.
Der gehende Nietzsche
Die wiederholte Betonung, dass Nietzsches Denken im Gehen stattgefunden hat und so seine Philosophie entstanden ist. Färbt dies tatsächlich auf die entstehenden Gedanken, auf den Wert ihres Inhalts ab? Oder ist das nur Poesie? Eine Versinnbildlichung? Und sollte ich dann nicht anfangen, im Laufen zu denken? Im Springen! Im Fallen? Im Wiederaufstehen!
Montag, 25. Juli 2011
Zur Emanzipation der Frau
Dass der Mann seine Minderwertigkeit gegenüber der gebärfähigen Frau begriff und all sein Streben und Schaffen nur der Versuch einer Kompensation dieser Unterlegenheit darstellt. In uns wird nie Leben entstehen und wachsen und wir werden nie eine vergleichbare Bindung zu einem von uns geborenen Menschen erfahren.
So sei das Gebären die Emanzipation der Frau vom Geboren sein, an dessen Stelle der Mann die Kultur erschuf.
So sei das Gebären die Emanzipation der Frau vom Geboren sein, an dessen Stelle der Mann die Kultur erschuf.
Sonntag, 24. Juli 2011
Zuhoeren
Fuer Freitag hatte die vor kurzem aus der Haft entlassene Sylvia Stolz einen Vortrag im NPD-Zentrum Leipzig Lindenau angekuendigt. Dazu folgte von der Gegenseite per facebook ein Aufruf, diese Kundgebung durch "Krach machen" zu stoeren. Die etwa 90 Demonstranten wurden jedoch von der Polizei daran gehindert, direkt an ihrem Zielort zu protestieren und zogen anderweitig durch die Stadt.
Ich muss bei der Vorstellung lachen, dass Sylvia Stolz eine Vortrag fernab vom erwarteten Thema hielt und vielleicht etwas ueber den Tierschutz erzaehlte, waehrend draussen auf Haushaltsutensilien trommelnde Sprechchoere zum Widerstand aufriefen.
Ich habe auch einen Gegenvorschlag fuer das naechste Mal: Man setzt sich in die Veranstaltung und hoert sich an, was die Frau zu sagen hat. Und dann kann man die Gelegenheit ergreifen, rationale Gegenargumente vorzubringen. Vielleicht erst hinterher, unter sich, um den intellektuellen Diskurs am Laufen zu halten, so wie es in der Szene sicher gang und gaebe ist.
Aber dafuer muesste man die Bereitschaft mitbringen, sich auf das Gesagte einzulassen und saehe sich der Moeglichkeit ausgesetzt, dass es vielleicht keine Gegenargument gibt.
Ich muss bei der Vorstellung lachen, dass Sylvia Stolz eine Vortrag fernab vom erwarteten Thema hielt und vielleicht etwas ueber den Tierschutz erzaehlte, waehrend draussen auf Haushaltsutensilien trommelnde Sprechchoere zum Widerstand aufriefen.
Ich habe auch einen Gegenvorschlag fuer das naechste Mal: Man setzt sich in die Veranstaltung und hoert sich an, was die Frau zu sagen hat. Und dann kann man die Gelegenheit ergreifen, rationale Gegenargumente vorzubringen. Vielleicht erst hinterher, unter sich, um den intellektuellen Diskurs am Laufen zu halten, so wie es in der Szene sicher gang und gaebe ist.
Aber dafuer muesste man die Bereitschaft mitbringen, sich auf das Gesagte einzulassen und saehe sich der Moeglichkeit ausgesetzt, dass es vielleicht keine Gegenargument gibt.
Samstag, 23. Juli 2011
Internet-Effekt
Das Gefuehl der Reizueberflutung nach gewisser Zeit im Internet. Wenn man Spuren folgt und sich die Zahl der geoeffneten Tabs exponentiell erhoeht. Dieser kurze Eindruck von der unfassbaren Groesse da draussen. Und die Frage, die zurueckbleibt: Inwiefern ist das fuer einen selbst relevant? Hat es nicht nur Orientierungsloskeit zur Folge, wenn man ein Gefuehl dafuer bekommt, wie die Welt in alle Richtungen auffaechert? Welcher folgt man? Welche misst man Wert bei? Ist dieses Mehr an Moeglichkeiten ein Gewinn, aus dem man sich etwas Passendes herauspickt? Oder laehmt es nur die eigene Kreativitaet im Angesicht des Eindrucks, in allem nicht mehr der Erste sein zu koennen und verwirrt es die unangepasste Biologie im Umgang mit der schieren Menge an Menschen?
Es beschwoert den Wert eines abgeschotteten, eines voellig regionalen Lebens herauf, das jedoch nicht mehr ohne dieses erlangte Wissen im Hintergrund gefuehrt werden kann. Der Rueckzug als eine fast reflexhafte Reaktion auf die empfundene Ueberwaeltigung, der aber nicht lange anhaelt. Es dauert nicht lange, bis das Beduerfnis nach neuen Informationen zur Qual wird.
Es beschwoert den Wert eines abgeschotteten, eines voellig regionalen Lebens herauf, das jedoch nicht mehr ohne dieses erlangte Wissen im Hintergrund gefuehrt werden kann. Der Rueckzug als eine fast reflexhafte Reaktion auf die empfundene Ueberwaeltigung, der aber nicht lange anhaelt. Es dauert nicht lange, bis das Beduerfnis nach neuen Informationen zur Qual wird.
Dienstag, 19. Juli 2011
Die oeffentliche Kommunikation
Ich ziehe gerade in Erwaegung, zukuenftig vollkommen oeffentlich mit allen zu kommunizieren. Es gibt da diese Menschen, die unterscheiden in ihrem sozialen Umgang anscheinend nicht zwischen den verschiedenen Personen ihres Umfeldes und reden mit allen gleich. Reduzieren ihre Privatsphaere auf ein Minimum. Was ich als grosse Staerke betrachte, da man damit seinem Selbst treu bleibt. Und das entspricht in etwa dem Gegenteil von dem Umgang, den ich gemeinhin pflege. Geheimnistuerei ist Schwaeche und Selbstleugnung.
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